Verlag: Rowohlt - 255 Seiten
ISBN: 3 499 13042 4
Preis: 8,50 Euro
Erscheinungsdatum: 1989

Rezension von Ina
Inhalt (Klappentext innen):
Seit Aids ins letzte Alpental vorgedrungen ist und „die infiziert, die in der Liebe für den Wechsel sind“, muss der Fabrikdirektor auf Partnertausch und Prostitution verzichten und wieder auf seine Frau Gerti zurückgreifen. Gerti will den sexuellen Attacken entfliehen, der routinemäßigen, langweiligen, tödlichen Wiederholung des Immergleichen. Sie ist oft abhängig, landet bisweilen, betrunken, auf der Gendarmerie. Ihre Sexualität kann sie nicht leben als Mutter; Mutterschaft und Sexualität löschen einander aus. Gerti verliebt sich in das Götterbild Michael, einen Studenten, der sie auf ihrer Flucht aufliest, nach allen Regeln seiner jungen Aufreißer-Kunst verführt und demütigt.

Meinung:
Die Handlung ist kurz und überschaubar, auf sie kommt es bei diesem Buch nicht an. Was beeindruckt, ist die Sprachgewalt Jelineks, die die sexuellen Übergriffe des Fabrikdirektors begleitet. Schonungslos wird der Leser auf pornografische Weise damit konfrontiert. Sie lässt im Leser Ekel und Abscheu gegen "Die schönste Sache der Welt" aufkommen. Dennoch ist diese Sprachgewandtheit zu bewundern, denn Jelinek beschreibt den Sex nie auf die gleiche Art, sie erschafft permanent neue Ausdrücke, schöpft ein metaphorisches Umfeld, welches genügend Platz für die Fantasie des Lesers lässt. Letztendlich geht es nicht um den Lustgewinn beim Lesen, aber um den Lustgewinn am Lesen und an der Sprache. Sicher nicht für jeden geeignet und ganz gewiss keine leichte Lektüre. Wer sich jedoch heranwagt, sich durchkämpft und mit der mannigfaltigen Sprache auseinandersetzt, wird wahrscheinlich nachvollziehen können, warum Jelinek für dieses Buch den Literaturnobelpreis 2004 bekommen hat!

Fazit:
sehr schwierig zu bewerten, dennoch nur zwei Punkte, weil der Einstieg einfach zu schwer fällt.

gitane - Apr 2, 08:08

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Raine - Apr 2, 13:53

Soweit ich mich recht entsinne, ist die Jelinek doch die, die so männerfeindliche Weltansichten hatte~. Schräge Frau. +,+
Das Buch kenn ich aber (leider) nicht.



Gregor Keuschnig - Apr 2, 14:15

Elfriede Jelinek hat keinesfalls für dieses Buch alleine den Literaturnobelpreis bekommen; in der Begründung der Akademie wurden u. a. ausdrücklich ihre zahlreichen Theaterstücke genannt. Und wie der/die RezensentIn auf die Idee kommt, dass es der Autorin um den "Lustgewinn am Lesen" geht, bleibt mir schleierhaft. Der Titel ist eher als Persiflage bzw. als Dekonstruktion auf bestehende Sprachmuster und deren Verwendung zu verstehen. Wie Thomas Anz hier zutreffend formuliert: Es geht um die Karikatur des pornographischen Erzählens - die die Autorin mit Wortspielen und Metaphorierungen derart auf die Spitze treibt, dass es gelegentlich in Kalauern endet. Tatsächlich ist der Roman auch der Versuch, eine irgendwie geartete "Gegenwelt" zu begründen. Ob das gelungen ist, darf bezweifelt werden und hat seinerzeit zu heftigen Kontroversen in der Literaturkritik geführt. Wie Anz jedoch u. a. auch zeigt, ist der Roman voller Anspielungen auf andere literarische (und auch wissenschaftliche) Bücher.

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steppenhund - Apr 8, 23:18

Ich habe vor kurzem die Verfilmung "der Klavierspielerin" von Haneke gesehen. Mir hat das Buch, als es frisch herauskam, großen Eindruck gemacht. Der Film hat jetzt eine Reminiszenz bewirkt.
Auch wenn ich sie persönlich nicht sehr schätze, kann ich vor ihrem Schreiben nur den Hut ziehen. Ihre Sprachbeherrschung ist phänomenal und vielleicht am ehesten in der Schärfe mit dem Messer eines japanischen Sushi-Meisters zu vergleichen.